Kajakerlebnisse mit Walter MückAktuell: http://lebendiger-kamp.at/ und http://www.riverwatch.eu/de/node !! |
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Der nachstehende Bericht erschien in der Zeitschrift "Österreichs Kanusport" 5/6 1979, meine erste Publikation, sie beschreibt unsere Aktivitäten der Jahre 1976 bis 1978
Nach zwei
dürren Jahren in denen unsere Spezialitäten meist nur wochen- oder tagelang
befahrbar waren, kam das heurige Frühjahr mit Schnee und Regen, welche Wonne!
Drei Monate durchstreifte der Kajak-Club Gars mit begeisterten Freunden die
unbekannten „urigen“ Gewässer. Vor einiger Zeit konnte man lesen, dass in Europa
nichts mehr zu entdecken wäre, deshalb müsse man in den Himalaya oder sonst wo
auf Expedition fliegen. Zumindest für Liebhaber von Wildbächen ist das sicher
sicher falsch, die können den Reisepass ruhig zu Hause lassen! Unsere
Erlebnisse, Foto- und Filmausbeuten, würden für stundenlange Schilderungen
reichen, der folgende Oberblick soll zu eigenen Versuchen anregen!
Das Wald- und
Mühlviertel wird landschaftlich vom Urgestein: Granit und Gneis, geprägt. Die
meisten erwähnten Flüsse (Ausnahmen: Unterer Kamp, Purzelkamp. Krems)
durchfließen die Granitzone, was sich für uns Paddler doppelt bemerkbar macht:
Die Oberfläche der Granitblöcke gleicht oft einer Raspel, für Boot und Finger
manchmal schmerzhaft, weiters gibt das Gestein dem Wasser die vor allem in den
Oberläufen typische goldbraune Färbung. Grundvoraussetzung für eine
Waldviertelfahrt mit angenehmen Erinnerungen ist ein ausreichender Wasserstand,
deshalb immer die vorhandenen Pegel ablesen. Zeigt er zu wenig, lieber auf die
Befahrung verzichten und z. B. am Ottensteiner Stausee Landschaft und Ruhe
genießen (wurde übrigens im deutschen Kanu-Sport in einem Artikel Finnland
miniature" begeistert empfohlen), oder auch die vielfältigen kulturellen
Sehenswürdigkeiten besichtigen.
In den Kanusportkarten 7 und 11 beschreibt
Herr Matz bereits viele Gewässer, ich möchte daran anknüpfen und gelegentlich
korrigieren.
Die WALDAIST, im Oberlauf auch Schwarze
Aist genannt, zeigt von allen Mühlviertler Flüssen den ausgeprägtesten typischen
Stufenverlauf im Gefälle (4-70) Sie entspringt bei Liebenau, durchfließt in Gugu
eine Heidelandschaft mit reizvollen Mäandern, um bald darauf, wegen der geringen
Bachbreite kaum fahrbar, zum Saghammer hinunterzustolpern, Von hier nach kurzer
Wiesenstrecke zum nächsten Absturz, technisch interessant bis III, vorbei an
Harrachstal. Ein Einheimischer hat uns von seinen Schlauchbootfahrten (!) auf
der folgenden Strecke erzählt! Etwa 4 km ziemlich flach bis zur Mündung der
Weißen Aist bei Weitersfelden, dann, allmählich wieder steiler werdend,
stellenweise sogar etwas wuchtig, bis zur 8m hohen Stauwehr. Umtragen, bei
Wassermangel gleich bis zum Kraftwerk Pieberbach, 600 m, Fahrweg links. Sonst
bei 40 Gefälle interessanter Abbruch mit IVer Stellen, in der Mitte kurz
unbefahrbar. Beim Kraftwerk Schreibpegel, ab 145 alles fahrbar. Die nächsten 6
km bis zur Haidmühle sind wieder ausgesprochen flach (4), dort beginnt dann aber
eine Strecke, die sich ein sattelfester Wildbachfahrer nicht entgehen lassen
darf. Die Einsatzstelle ist von Haid aus leicht zu erreichen. Gleich nach 600m
ist der Eingang zu einer finsteren Waldschlucht mit turbulenten Passagen (IV-
auf II sinkend), dann 4 km Wanderstrecke bis zu kleinem Stausee. Die folgenden
2,5 km müssen genau besichtigt werden, zwei Steilabbrüche mit 70 Promille
Gefälle, ein ruhiges Zwischenstück bei der Haselmühle: im oberen Teil sind zur
Zeit zwei Stellen (20m) unfahrbar, im unteren eine Passage (50m). Sonst
durchwegs IV-VI Grandiose Granitschlucht! Vorsicht bei unvermutetem,
kanonenrohrartigen Eingang zum zweiten Teil! Optimaler Wasserstand: eher wenig!
Pegel Pfahnlmühle 135, Pieberbach 145 (ca. 3 m³/s, Rohrableitung). Anschließend
beginnt der bekannte Teil der Waldaist, auf dem der Linzer FC heuer eine schöne
Wanderfahrt organisiert hat. (Fahrbar ab Pfahnlmühle 130 cm, I-III)
Die GROSSE NAARN hat
eine sehr schöne Strecke, welche man von der Hauptstraße allzu leicht übersieht.
Von der Wachtmühle bei der Ruine Ruttenstein bis Pierbach 6 km durch einsames
Waldtal mit mehreren Steilstücken bis WW IV, vor allem im 200 m langen
Kraftwerkskatarakt kann von laut Matz III keine Rede mehr sein! Günstiger
Wasserstand: Pegel Ortsende Königswiesen (zur Molkerei) 150-170 cm. Die Mäander
ober- und unterhalb der empfohlenen 6 km lieber vergessen! Die 14 km lange
Naarnschlucht wird von Matz bereits treffend beschrieben. Pegel Königswiesen ca.
150 cm, mehrere Ver-Stellen, bis 35 Promille, Gefahr durch scharfkantigen
Granit.
Jenseits der großen europäischen
Wasserscheide fließt die Lainsitz der Moldau und Elbe zu. Sie selbst und zwei
ihrer Zubringer sind durchaus befahrbar. Der Reißbach wird sogar im
WW-Kurzführer erwähnt, er ist aber ein ausgesprochen kleiner Mäanderbach.
Die BRAUNAU kommt
vom nördlichen Waldviertel und mündet in Gmünd in die Lainsitz. Sie ist von uns
am 17. März 1979 bei leichtem Hochwasser (9 m³/s) auf einer Strecke von 25 km,
davon 8 km Lainsitz bis Staatsgrenze, befahren worden. Blickt man von der
Schnellstraßenbrücke bei Schrems hinunter, so sieht man die Einfahrt zum
Schremser Katarakt, einer 100 m langen Granitschlucht, je nach Wasserstand bis
IV. Leider ist der Fluss ab Schrems mit unfahrbaren Wehren stark verbaut und
verschmutzt, die Lainsitz ab Gmünd ekelerregend! Für Wanderfahrer zu empfehlen
wäre jedoch die 9 km lange Wiesenstrecke von Aalfang bis Schrems. Will man den
Katarakt noch fahren, so kann man die Wehranlage in Schrems leicht rechts
überheben. Bei unserer Fahrt hat der Pegel Aalfang-Bahnbrücke 210 cm gezeigt,
Bachtiefe durchgehend 2 m, sodass eine Befahrung auch im Sommer möglich sein
dürfte. Bei Besserung der Wasserqualität wären auch die Passagen zwischen den
folgenden Wehren lohnenswert, bei Hochwasser sportlich, besonders Gmünder Happer
gewaltige IVer Stufe!
Die LAINSITZ selbst durchfließt von
Roßbruck bis Weitra ein 6 km langes, kleines Waldtal mit 13 Promille Gefälle,
Breite 5-10 m, bei ausreichender Wasserführung kein langweiliger Bach.
Der GROSSE KAMP
entspringt in Liebenau und ist für Liebhaber bereits ab Langschlägerwald in 850
m Seehöhe zu befahren. Als Naturdenkmal sehenswert ist der Höllfall bei
Pretrobruck, in dessen Ein- und Ausgang sich bei Hochwasser recht interessante
Passagen befinden. Urige Überraschungen wird der erleben, der so wie wir bei der
Brücke von Neustift einsetzt. Pegel bei Einsatzstelle ab Pegel Zwettl ab 210 cm.
Nach kurzer Mäanderstrecke folgt der Paradieseingang, zwei Stufen sind brutal
befahrbar, dann oha - Sehenswert! 50 m mühsam links umtragen. Nach 600 m Wehr
der Heumühle, rechts kneifen, hier beginnt des „Paradies". 3 km herrliche,
spritzige verblockte Fahrt - 20 Promille Gefälle, bis zur Mündung des
Kirchbaches oder weiter 3 km bis zum Zusammenlauf des Kleinen Kamp in
Ritterkamp.
Der KLEINE KAMP ist eigentlich der
wasserreichere, er kommt von Bärnkopf und ist von uns bereits ab
Großpertenschlag (Prinzbachmündung) befahren worden, allerdings extreme
„Staudenrauscherpartie". Umso empfehlenswerter ist aber die 3 km lange
Waldschlucht bis zur Burg Rappottenstein, Wildwasserperle des Waldviertels!
Einsetzen bei der Wiesmühle (Wegweiser Kleinkamp) bei Mindestwasser 195 cm
Zwettl, nach einigen Mäandern erste sportliche Passage, dann Naturdenkmal
Blockwildnis Schütt. 50 m rechts umtragen, dann 3 km mit zwei traumhaften IVer
Passagen sowie mehreren Granitblock-Irrgärten bis zur zweiten totalen
Verblockung. Entweder hier ausbooten und 50 m vorgehen zur Straße oder noch 2km
über zwei Wehre und durch Mäander nach Ritterkamp.
Beim Zusammenfluss
in Ritterkamp verlockt der KAMP zum Einsetzen, wegen der folgenden verwachsenen
Mäander (Roitener Dschungel) aber besser erst am Ortsende von Roiten (Steghof).
Hier beginnt die schönste Granit-Wanderstrecke nördlich der Donau, 13 km bis
Zwettl (Bad), II+, ev. auch III-, fahrbar ab Pegel Zwettl 165 cm, nur bis
Gschwendtmühle auch darunter möglich. Der Kamp unterhalb der großen
Speicherkraftwerke dürfte weitgehend bekannt sein (Standardstrecke Wegscheid -
Rosenburg. April, Mai, sonst wochentags oft bessere Wasserabgabe).
In Zwettl mündet die
gleichnamige ZWETTL in den Kamp. Die grundsätzlich schöne Wanderstrecke von
Jagenbach bis Zwettl, 16 km, ist leider durch viele Wehranlagen verschandelt,
oberhalb jedoch bietet sich eine 10 km lange, interessantere Strecke, bis II+,
von Böhmsdorf bis Klingenmühle an.
Der PURZELKAMP mündet in den Ottensteiner
Stausee, er ist bei Hochwasser (Pegel Kaltenbrunn ab 100 cm) 16 km ab Waldhausen
(Bahnhof) zu befahren, bald darauf enges Waldtal, 20 Promille Gefälle, bis III-,
landschaftlich reizvoll.
Als letzter Fluss sei die KREMS genannt,
deren Oberlauf interessantes Wildwasser bietet. Einsetzen in die Große Krems in
Brauhaus oder weiter oben, vorbei am „Wotansfelsen" zur Mündung der Kleinen
Krems (etwas oberhalb altsteinzeitliche „Gudenushöhle"). Die Staumauer am Zwickl
rechts überheben, dann besonders interessant 4 km zum Kraftwerk Hohenstein,
Strecke liegt im Sommer trocken! Dort kleiner Pegel am Auslass: Fahrbar ab 55
cm, bis III+, ab 65 cm ev. IV! 18% Gefälle (Pegel Senftenberg ab 160 cm).
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