Kajakerlebnisse mit Walter MückAktuell: http://lebendiger-kamp.at/ und http://www.riverwatch.eu/de/node !! |
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Der nachstehende Bericht erschien in der Zeitschrift "Österreichs Kanusport" Juli August September 1982
Während oben auf der Plöckenstraße der Reiseverkehr von Kärnten nach Italien hetzt, findet man nur einige 100 Meter tiefer totale Einsamkeit in einer der abenteuerlichsten Klammen der Ostalpen. Wie man dort hingelangt, schildert folgender Bericht.
„Unbekannte Klamm, nur ein Tiefblick von der Straße möglich, senkrechte Schluchtwände" so schildert Hans Matz bei einem zufälligen Gespräch ein neues Projekt. Seine genauen Erhebungen mittels Luftbilder sind ergebnislos, die Felswände müssen zum Teil überhängend sein. Ein flüchtiger Besuch zu Fuß von unten her auf dem alten Klammsteig muss mit dessen Ende nach etwa 500 m abgebrochen werden. Viel mehr brauche ich nicht zu hören, um sofort mit eigenen Nachforschungen zu beginnen: Der Valentinbach entspringt am Fuße der Hohen Warte (2780 m) in den Karnischen Alpen und mündet nach 14 km bei Kötschach-Mauthen in die Gail. Unterhalb der Plöckenstraße bildet er die 3 km lange Mauthner Klamm, Gefälle zwischen 20 und 100 Promille, Wasserführung im Juni etwa 3 m3/s. Das Gefälle macht mir Sorgen. Eine Erkundungsreise von Sportsfreund Mandi bleibt wegen Hochwasser ohne Erfolg, er berichtet von der abenteuerlichen Erstdurchsteigung der Klamm im Jahre 1926, die im Gasthaus Eder an der Plöckenstraße dokumentiert ist. Bei einem Besuch der Gail Ende Juli 1981 kann uns dann nichts mehr aufhalten.
Der Vormittag ist der Erkundung gewidmet. Von der Plöckenstraße und vom gegenüberliegenden Römerweg ist ein Ab-stieg in die Schlucht ohne Abseiltechnik nicht möglich, nur an wenigen Stellen sieht man das Wasser, eine sichere Beurteilung ist ausgeschlossen. Erst oberhalb des Gasthauses Eder quert der Römerweg den Bach, hier fällt er aber von einer Stufe zur nächsten, kaum fahrbar und kaum zu übertragen. Nach mehreren Stunden wilder Kletterei und ausgiebiger Fußmärsche fassen wir den Entschluss: Das Ganze wird von unten her aufgerollt, vielleicht unsportlich, für neugierige Menschen aber die einzige Variante. Das untere Klammende, wo Wasser entzogen wird, erreichen wir mit dem Auto, nachdem wir allerdings einen Verkehrsbeschränkungshinweis übersehen haben. Ein Einheimischer, der dort wohnt, nimmt uns das nicht übel, er erzählt uns mit großer Begeisterung von den Geheimnissen der Klamm, von der ersten und zweiten Finsternis und vom großen Wasserfall. Er bezweifelt, dass wir mit unseren Booten bis zum Fall vordringen können, wünscht uns aber viel Erfolg.
Manfred Hausmann, Ferry Machatschek, Hubert Beck und ich schultern die Boote und marschieren über Steiganlagen und durch kleine Tunnel bis zum Ende des Klammsteiges, der oberhalb durch schwere Hochwässer schon lange völlig zerstört ist. Von hier weg müssen wir die Boote teils treideln, teils tragen, teils können wir auch durch tiefe Passagen paddeln. Immer enger wird die Schlucht, wir dringen um so gieriger in den Berg hinein. Jetzt rücken die schon überhängenden Felswände auf wenige Meter zusammen, die erste Finsternis ist erreicht. Bis hierher ist auch unsere Begleiterin ohne Boot mitgeklettert, nach einer Rast in dieser schaurig-schönen Märchenwelt verabschieden wir uns. Nach wenigen Biegungen erreichen wir den absoluten Höhepunkt der Expedition, die zweite Finsternis. Nur ein schräger Lichtstrahl fällt in diese dunkle Grotte und durchdringt das smaragdgrüne Wasser. Glänzende Wasserschleier und glasklare Quellen ergänzen das einmalige Naturschauspiel, das uns die graue Realität vergessen lässt. Ein Vergleich mit unseren schönsten Schluchten des Jahres - Lammeröfen, Socacanon, ja sogar mit der Steinberger Ache in Tirol ist durchaus angebracht. Von nun an wird der Bach steiler, über einige Stufen heben wir die Boote hoch, dann erreichen wir den 7 m hohen Wasserfall. Normalerweise ist er unüberwindbar, ein schrägliegender Baum ermöglicht es aber Hubert und Mandi ohne Boote weiter vorzudringen. Über folgende Erkundung berichtet Manfred Hausmann: Nachdem wir den glitschigen Baum mit Seil- und Maibaumtechnik nicht ohne Probleme überwunden haben, klettern wir noch ein paar hundert Meter in der Klamm weiter. Allmählich wird das rechte Ufer flacher, wir befinden uns aber noch immer in einer tief eingekerbten Schlucht. Nach etwa 500 m gelangen wir zu einem 8 m hohen Abfall über schräge Platten, der eventuell zu befahren wäre. Gelegentlich versperren Bäume den Weg, dann erreichen wir etwa 1000 m vom Ausgangspunkt einen hohen Absturz direkt unter dem Ederwirt, den wir schon bei der Erkundung vom Römerweg aus entdeckt hatten. Oberhalb beginnt die bereits erwähnte Steilzone, im besten Falle könnte man also hier die Befahrung starten. Ein alpiner Abstieg wäre zu dieser Stelle unter großen Mühen möglich, eine Befahrung bachabwärts durch mögliche Veränderungen aber sehr riskant. Auch ohne Boote stellt der unterste Wasserfall einige klettertechnische Anforderungen. Inzwischen sitzen Ferry und ich bereits über eine Stunde in der feuchtkühlen, dunklen Klamm unter dem Wasserfall, die Rückkehr des Stoßtrupps wird mit Hallo begrüßt. Endlich kann die eigentliche Befahrung losgehen. Zuerst noch hundert Meter über schöne Abfälle, dann zunehmend leichter, etwa WW II. Das überwältigende Erlebnis dieser Fahrt ist die „Totale Landschaft", nicht die Schwierigkeit. Schon nach einer halben Stunde haben wir den Klammausgang erreicht, wo interessierte Zuschauer auf uns warten. Nur wenige Einheimische kennen die Finsternis, das kalte und manchmal schultertiefe Wasser schreckt die meisten ab. Unser Wasserstand hat gerade gereicht, ein Pegel rechts vor der ersten Gefällbremse zeigt 70 cm, für den Hochsommer ein eher hoher Wasserstand. Die beiden 4 m hohen Einbauten sind leicht überronnen, zum Gaudium der Zuschauer meistern Hubert und Mandi die Abfälle. Beim ersten kann die Nachahmung mangels Unterwasser nicht empfohlen werden, die zweite Stufe bietet problemloses Flugvergnügen. Nur etwa 2 km sind wir mit den Booten in die Mauthner Klamm eingedrungen, und dennoch fühlen wir uns wie Columbus nach der Entdeckung Amerikas. Am nächsten Tag befahren wir die obere Gail bis Birnbaum, bei Kaiserwetter und sehr gutem Wasserstand stoßen wir dort leider auf die Bohrfirma „Insond", die uns als düsterer Vorbote drohender Zerstörung bekannt ist. Vielleicht werden Paddler zum Stichwort ,,Kötschach-Mauthen" einmal nur mehr „Valentinbach" assoziieren; zu empfehlen ist der Abstecher in die Mauthner Klamm mit ihren Finsternissen aber jetzt schon jedem erlebnishungrigen Sportler.
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