Kajakerlebnisse mit Walter MückAktuell: http://lebendiger-kamp.at/ und http://www.riverwatch.eu/de/node !! |
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Der nachstehende Bericht erschien in der Zeitschrift "Österreichs Kanusport" Jänner Februar März 1983
Zwischen der in den letzten Jahren
bekannt gewordenen Waldaist und dem Kamp rauscht die Naam, ein wenig bekanntes
Wildwasser, das aber zu den anspruchsvollsten nördlich der Donau zählt. Von
Liebenau (1000 m) kommend, vereinigen sich die beiden Quellbäche Klammleitenbach
und Schwarzaubach in Königswiesen zur Großen Naam. 20 km weiter vereinigt sich
diese mit der von rechts mündenden Kleinen Naam, um nach der 14 km langen
Naarnschlucht bei Perg ins Donaubecken hinauszutreten. Beschreibungen von Großer
Naam und Naam finden sich bei der F & B Kanusportkarte Blatt 11, in „Österreichs
Kanusport" Heft 5/6/1979 sowie im DKV-Auslandsführer Band 18.
Die Große
Naarn wurde von uns am 11. April 1982 bei sehr hohem Wasserstand (193 cm
Königswiesen) auf einem kurzen Teilstück befahren. Der erste Schwall gleich nach
der Wachtlmühle, wegen des angrenzenden Wildschweingatters Saukatarakt genannt,
bot sich beachtlich wuchtig (WW II-IV), bei leichtem Schneetreiben geraten
mannhohe Walzen besonders effektvoll. Die Fahrt wurde nach 2 km
witterungsbedingt abgebrochen, vom großen Kraftwerkskatarakt ist bei diesem
Wasserstand ohnedies abzuraten (Ideal 150-170 cm Kgw.). Eine Befahrung der
Naarnschlucht bedarf alpiner Erfahrung, guter Ausrüstung und idealen
Wasserstandes (170 cm Königswiesen, 195 cm Haid). Dann allerdings bildet die 14
km lange Strecke ein Wildwassererlebnis, das seinesgleichen sucht. Die
Steilzonen (35 Promille) werden durch vier kurze Flachstrecken mit Wehranlagen
unterbrochen, die leider bis Perg zunehmende Wassermengen ausleiten. Die
Befahrung der ersten 4 km gelang uns bei ablaufendem Sommerhochwasser (155 cm
Kgw.) am 6. Aug. 1979, schon damals beeindruckte der Fluss durch seine wuchtigen
langgezogenen Stufenfolgen, die überraschend flottes Vorwärtskommen. erlauben.
Erst am 18. April 1982 trafen idealer Wasserstand und Mannschaft zusammen. Bei
167 cm Kgw. brachen Manfred Hausmann, Günther Pressler und der Autor zur Fahrt
bis Perg auf. Die erste Steilzone zählt durch ihren ununterbrochenen hohen
Schwierigkeitsgrad zu den lohnendsten Abschnitten. In der zweiten,
wildverblockten Granitschlucht muss zumindest eine völlig verrammelte Stelle
überhoben werden, bei zwei Abstürzen sollte man die Mühen der Umtragung
(rechtzeitig aussteigen!) nicht scheuen (Straßen-km 10.0 bis 10.6). Der
Eingangskatarakt zur 3. Steilzone beim Ghf. Jägerheim muss 200 m umtragen
werden, da Gefälle, Verblockung und Wucht hier jenseits von WW VI liegen. Die
„Kellertreppe" beim Falkenstein (Straßenenge) zählt zu den schwersten Stellen
der Naarnschlucht (WW V) und sollte entsprechend vorsichtig genossen werden. Der
4. Abschnitt ist wesentlich leichter, durch starke Ausleitung wird das Wasser
knapp. Nicht übersehen sollte man die letzte Stufe (WW IV) unmittelbar vor Perg,
die nach dreistündiger Fahrt einen würdigen Abschluss bildet. Von Perg zieht die
Naam schnurgerade reguliert durchs Machland zur Donau, in der Mitte dieser
Strecke befindet sich der für Nicht-Waldviertler ideale Pegel beim Gehöft „Hoser
in der Haid", 4 km südlich von Arbing zu erreichen. Für eine Befahrung der
gesamten Strecke sollte ein Pegelstand von 195 cm kaum über- oder unterschritten
werden. Dieser Wasserstand ist anzutreffen, wenn Kamp, Waldaist und Rodl
befahrbar sind, also März oder April.
Wenn infolge hohen Wasserstandes die Steilzonen von Waldaist und Naarn unfahrbar werden, bietet sich eine weitere Spezialität dem Kleinflussliebhaber an. Die Kleine Naarn durchfließt von Unterweißenbach 30 km bis zur Mündung ein abgeschiedenes Tal. Weder da noch dort bewirken die verwachsenen Mäander irgendwelche Ambitionen; ein genaues Kartenstudium weckte allerdings meine Neugierde: Eine 2 km lange Waldschlucht mit 20 Promille Gefälle könnte interessant sein! Am 14. März 1982, der Winter wollte noch nicht weichen, stapften wir durch kniehohen Schnee, um den Bach zu erkunden. Wir waren begeistert, einziger Mangel: der Wasserstand. Doch schon am 9. April zeigte der Pegel Unterweißenbach 165 cm, und so starteten Michael Kaplan, Heinz Eichwalder, Manfred Hausmann und der Autor bei eisiger Witterung zur Erstbefahrung ab Unterweißenbach. Vom flachen Mäandergerinne steigert sich die Kleine Naam bald zum munteren Wildbach (WW II-III), der durch rasche Strömung, leichte Verblockung und Baumhindernisse einige Konzentration erfordert. Den Höhepunkt und Abschluss der 6 km langen Fahrt bildet eine rassige S-Kombination, die knapp dem vierten Schwierigkeitsgrad zuzurechnen ist. Bei der Grubmühle wurde die Fahrt beendet, da die Folgestrecke stark verwachsen ist, ein Fahrweg führt zur Straße Unterweilßenbach - Pierbach. Zwei Tage später wurden noch die letzten 4 km vor der Mündung befahren, außer einer Passage (WW III) bei der Heindlmühle ohne besonderen sportlichen Reiz (WW I). Besondere Rücksicht gegenüber der ungestörten Natur versteht sich bei solchen Kleinflussfahrten wohl von selbst!
Kurzbeschreibung:
Große Naarn:
Wachtlmühle - Pierbach 6 km WW II-IV bei Pegel Königswiesen 150-170 cm.
Kleine Naarn: Unterweißenbach-Grubmühle 6 km WW I-IV bei Pegel Unterweißenbach
155-175 cm.
Naarnschlucht: Zusammenfluß-Perg 14 km WW III-V bei Pegel Kgw.
170 cm, Haid 195 cm (ca. 10m³/s).
Vergleichswertung: Salza II-III, Erlauf und
Lassing II-IV, Donnersbach und Koppentraun III-V (bei MW). Ideale Zeit: März
oder April nach Schneeschmelze oder Regen.
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