Kajakerlebnisse mit Walter Mück

Flüsse voller Leben!

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Die nachstehenden Berichte erschienen in der Zeitschrift "Österreichs Kanusport" April Mai Juni 1983 und 2/1984

8. Internationale Warmwasserfahrt am Meleg Viz
Ein ungarisches Wintermärchen

Wer hat nicht schon an einem schönen Winterwochenende, ausgerüstet mit Neopren und Pudelhaube, eine kleine Aus-fahrt unternommen? Zur Vermeidung von kalten Fingern gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann warme Handschuhe anziehen, oder man fährt auf den Meleg Viz in den ungarischen Bakonywald!
Im November 1982 erhielten wir vom Verbandswanderwart eine Einladung zur 8. Internationalen Warmwassertour am 5. und 6. Februar 1983. Spezialitäten jeder Art sind beim Kajak Club Gars immer sehr gefragt, und so fanden sich nach und nach 8 Paddler für die Fahrt nach Ungarn. Da über den Fluss nichts bekannt war (auch im neuen SO-Europa-Führer des DKV nicht erwähnt!), und die Ausschreibung widersprüchliche Ortsangaben enthielt, warteten wir mit Neugierde auf nähere Details. Weil wir uns den Umweg über Budapest, wo der offizielle Treffpunkt gewesen wäre, sparen wollten, informierte man uns, dass der Startplatz bei Nagytarkanypuszta sei. Auf meiner Balaton-Spezialkarte konnte ich dieses 100-Seelen-Dorf sogar finden, der Meleg Viz allerdings entspringt erst dort im Umkreis von 2 km. Die Spekulationen über den merkwürdigen Fluss verfolgten mich bis in meine Träume, zumal ja von 20 Grad Wassertemperatur die Rede war.

Am Freitag, 4. Februar, brachen wir abends mit Campingbus. und Anhänger auf und erreichten nach einigen Zwischenfällen den Grenzübergang Klingenbach-Sopron, wo man unseren Vorwärtsdrang eine Stunde unterbrach. Die Tiefebene der Raab durchquerten wir dann flott und so erreichten wir um Mitternacht Sümeg, das Hauptquartier der Veranstaltung (200 km südöstlich von Wien). Am Fuße der alten Arpadenfestung parkten wir unseren „Bergepanzer" und nächtigten im Wagen.
Strahlender Sonnenschein und minus 6 Grad weckten die müdesten Schläfer. Nach einer Stadtbesichtigung fuhren wir in das 6 km entfernte Dorf, wo wir um 11 Uhr das Treffen vereinbart hatten. Aus verschiedenen Bauxitminen strömen hier heiße Quellen, die sich rasch zu einem kleinen Bach vereinigen. Über einen Fahrweg bachabwärts entdeckten wir gleich darauf die Einsatzstelle, wo schon einige Paddler warteten. 4 m breit, 20 cm tief und leicht dampfend präsentierte sich uns der Meleg Viz, das obligate Badethermometer zeigte 20 Grad Wassertemperatur. Nach Jahren auf Gebirgs- und Gletscherbächen, die auch im Hochsommer kaum 10 Grad erreichen, steht auch ein Wildwasserfahrer ehrfurchtsvoll vor so einem Bächlein.
Gegen Mittag trafen dann die Paddler scharenweise ein: Aus Autobussen, Riesenanhängern und Lastwägen ergossen sich 180 Starter mit Kajaks, Canadier und Indianerkanus in das schmale Bachbett. Nach einigen 100 Metern mit viel Grundberührung mündete von rechts ein ergiebiger Warmwasserzustrom, der zu ein paar Kenterrollen einlud. Unten warm, oben kalt - eine verkehrte Welt! Kalte Finger auf der folgenden Strecke waren leicht durch Aufwärmen im Wasser zu vermeiden. Eingerahmt von Wald und Wiesen, zunächst noch hügelige, dann zunehmend flachere Landschaft, schlängelte sich der Paddlerwurm durch den 2 m bis 6 m breiten Bach, wobei es wiederholt zu Querschlägern und Kenterungen kam. Als einziges Hindernis musste nach etwa 5 km ein alter, ca. 6 m hoher Staudamm übertragen werden. Zum allgemeinen Gaudium startete ich von der steilen Grasböschung schwungvoll ins Wasser, bei Schnee wären hier spektakuläre Einlagen möglich. Bald darauf erreichten wir das Etappenziel, die Brücke bei Gyepükajan. Das prachtvolle Wetter veranlasste ein paar von uns, noch 3 km weiterzufahren, ein paar alte Wehranlagen bildeten hier die Hauptschwierigkeiten der ganzen Tour. Für offene Kanus gab es hier tatsächlich manche Probleme. Eine kulinarische Besichtigungstour zum 30 km entfernten Plattensee rundete unser Nachmittagsprogramm ab, abends trafen dann alle Teilnehmer im Festsaal von Sümeg zusammen, wo nach feierlichen ungarischen Ansprachen jeder Urkunden, Wimpel und Aufkleber erhielt. Die Nacht verbrachten wir in einem netten Privatquartier, der Morgen überraschte uns durch einen überreichen Frühstückstisch sowie weniger erfreulich starken Schneefall. Trotzdem fehlte kaum ein Paddler beim Start in Gyepükajan, bewundernswert vor allem die vielen Frauen und Kinder, die im Februar bei so einer Fahrt begeistert mitmachen. Österreich ist in dieser Beziehung ein armes Land! Bei anhaltendem Schneetreiben führte die zweite Etappe am Meleg Viz durch einen endlosen Schilfdschungel, der jede Aussicht verdeckte. Nach 2 Stunden erreichten die ersten das Ziel, die Brücke der Hauptstraße Sopron - Sümeg, welche wir 2 Tage zuvor überquert hatten ohne den, Fluss zu bemerken. Wir verabschiedeten uns von den ungarischen Kameraden und reisten durch den winterlich verschneiten Bakonywald zu einer Wildbret-Csarda, die uns längere Zeit in Anspruch nahm. Die Heimreise mit unserem Achttonner auf ungeräumten Straßen verlief strapaziös, dennoch wird diese Ungarnfahrt nicht die letzte gewesen sein!


Kurzbeschreibung Meleg Viz:
Fahrtstrecke: Nagytarkanypuszta (Nyirad) bis Hauptstraße Sümeg ca. 18 km.
Schwierigkeiten: flottes, schmales Zahmwasserbächlein. Befahrungszeit: Angeblich ganzjährig, im Winter besonders reizvoll.


Start mit Hans Matz Badetemperatur am nächsten Tag

Meleg Viz-Fahrt 1984

Bis kurz vor dem Abreisetermin haben mich noch Anmeldungen für die Warmwasserfahrt erreicht, entsprechend schwierig war es für die Organisatoren, die Veranstaltung in gewohnter Ordnung durchzuziehen. Ein beeindruckendes Bild ergab sich nach dem Treffen am Grenzübergang Klingenbach: 16 Autos mit Booten beladen fuhren im Gänsemarsch durch die ungarische Tiefebene. Niemand wusste genau, wie viel Paddler unterwegs waren, trotzdem gelang es, alle mit Quartieren zu versorgen. Für die Zukunft sei aber empfohlen, dass jene, die auf Massenveranstaltungen weniger Wert legen, einen anderen Zeitpunkt wählen,
um die regionalen Kapazitäten nicht zu überfordern. Eine Befahrung des Meleg Viz ist auch im Sommer möglich, ideal dürfte aber der April sein. Übrigens ist die Fahrt inzwischen so populär, dass sogar Reisebüros Angebote machen

Ketöly Patak

Auf Empfehlung unseres ungarischen Betreuers befuhren wir am Sonntag einen zweiten Bach, den Ketöly Patak, welcher im Quellgebiet des Meleg Viz bei Nyirad entspringt, aber südwärts zum Plattensee fließt. Ein kurzes Stück (5 km) von Odörögd bis zur Brücke vor Tapolca bietet für ungarische Verhältnisse rassiges Wildwasser (I-II), die Problemstellen sind vorwiegend kleine Brücken und Buschwerk in schneller Strömung. Die Wassertemperatur liegt leider unter 10 Grad, Raureif und Schnee haben uns die winterliche Jahreszeit wieder deutlich gemacht. Den Höhepunkt und Abschluss des Tages bildete ein Ausflug auf den Rodelhang neben dem Bach, der Taifun zeigte hier enorme Gleiterqualitäten, zwei Rodler erreichten nicht nur das Wasser, sondern landeten erst in der gegen-überliegenden Wiese! Ein Volksfest sondergleichen! (Vor Nachahmung wird gewarnt, riskante Sportart!!)

Aktuelle Kurzinformationen mit Fotos und Filmen findet ihr immer häufiger auf unserer Facebookseite: https://www.facebook.com/Kajak.Club.Gars !

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