Weitere Berichte finden Sie im Archiv !
Die nachstehenden Berichte erschienen in
der Zeitschrift
"Österreichs Kanusport" Jän Feb März 1984
Tief drinn' im Böhmerwald ... Zwei Kostproben aus Böhmen: Maltsch und
Blanice
Der Böhmerwald, genauer: das Böhmische Massiv, erstreckt sich von der
bayerisch-böhmischen Grenze über das Mühlviertel bis ins Waldviertel. Unser
Kajak Club Gars ist am Ostrand dieser herrlichen Landschaft zu Hause, über Wald-
und Mühlviertler Spezialitäten haben wir schon oft berichtet. Der Bayerische
Wald wird noch als Geheimtipp gehandelt (Wolfensteiner Ohe, Reschbach WW IV-V),
im folgenden wollen wir von einem Kurzausflug in das Herz des Böhmerwaldes
erzählen.
Schon oft waren wir mit der tschechischen Staatsgrenze in Berührung
gekommen: Die Mährische Thaya kommt von „drüben" und verlässt mit der Thaya
Österreich bald wieder; von der Lainsitz mussten wir bei Gmünd Abschied nehmen.
Die Visaprobleme hielten uns lange zurück, bis dann die Neugierde überwog und
wir im Herbst 1982 eine Kundfahrt nach Brünn unternahmen. Die ausführlichen
Beschreibungen im neuen DKV-Auslandsführer (Band 1b, 1981) unterstützten unsere
Planungen, ich nehme im weiteren darauf Bezug. Bei unserer herbstlichen Fahrt
querten wir die Oslava, welche mit dem Kamp ober Rosenburg zu vergleichen wäre,
vielleicht eine lohnende Frühjahrsfahrt, die von Wien leicht als Tagesausflug zu
machen ist.
Nach diesen ersten Erfahrungen mit dem Eisernen Vorhang besorgten
wir uns im März 1983 wiederum Visa, welche 3 Monate gültig sind. Am 9. April
starteten wir mit 6 Mann zu einer Wochenend-Expedition, wobei die Maltsch unser
erstes Ziel war. In Zwettl mussten wir feststellen, dass der Wasserstand im
Waldviertel bereits sehr stark gesunken war (Pegel Zwettl Bahnbrücke 165 cm).
Die Maltsch entspringt bei Sandl im Mühlviertel am 1112 m hohen
Viehberg. Wir folgten ihrem Lauf; ab Mayrspindt bei Windhaag führt die Straße
neben dem die Staatsgrenze bildenden Bach. Er sollte hier bereits einen
fahrbaren Eindruck machen, sonst lohnt die Reise nicht. Zwei Kilometer weiter
fanden wir bei Hammern einen Pegel, der 65 cm zeigte, was doch zu wenig sein
sollte (80 cm untere Grenze). Bei Wullowitz nördlich von Freistadt erreichten
wir den Grenzübergang. Der „Österreicher" war nach einem kurzen, heiteren
Wortwechsel erledigt; die tschechische Seite erfordert Geduld: Warten,
Zwangsumtausch (210 öS/Tag),
Warten, Zollkontrolle, Warten. Nach 45 Minuten
ist der Weg frei; gleich zwei Kilometer nach der Grenze zweigen wir rechts ab,
um bei Rychnov in die Malse einzusetzen. Während die Fahrer ihre Autos
auspendeln, besucht der durstige Rest das Dorfwirtshaus, wo in uriger
Kuhstall-Atmosphäre das Bier um 2 Kronen (3 öS) zu haben ist. Auch der
Provianteinkauf im Geschäft gegenüber verdeutlicht, dass wir die Grenze zweier
verschiedener Welten überschritten haben, die an Landschaft und Vergangenheit
doch soviel gemeinsam besitzen. Die Fahrt auf der Maltsch beginnt in einem
breiten, aber sehr seichten Flussbett. Die folgenden 16 km bis Kaplitz führen
durch eine einsame, kleine Waldschlucht, die bei schönem Wetter und höherem
Wasserstand sicher attraktiv ist, jedoch kaum den II. WW-Grad erreicht. Wir
kommen wegen der zu niedrigen Wasserführung nur sehr mühsam weiter, es ist schon
sehr spät als wir Kaplitz erreichen. Unsere drei Gelegenheitspaddler sind
erschöpft und steigen aus, während Hans, Toni und ich zügig die letzten 8 km in
Angriff nehmen. Jetzt reicht das Wasser endlich, die im DKV-Führer beschriebenen
schweren Schnellen bei Kaplitz bieten bei netter Verblockung Abwechslung (WW
II). Auch ein Slalom ist hier ausgehängt! Etwas weiter bringt die Cerna von
rechts reichlich Wasser, dieser Bach scheint interessant zu sein! Der
herangewachsene Fluss bringt uns rasch durch schöne Landschaft zur Brücke bei
Poresin, wo unser Auto steht. Die Folgestrecke ist angeblich schon aufgestaut.
Bei hereinbrechender Dunkelheit erreichen wir die wartenden Freunde, die von der
durchwegs äußerst freundlichen Bevölkerung bereits versorgt worden sind. Eine
Passkontrolle durch einen Grenzposten bei Rychnov verläuft überraschend
befriedigend, dass unsere Pässe im Zuge der Autotauscherei verwechselt sind,
fällt nicht auf! Wir reisen weiter nach Budweis, wo wir uns in einem Hotel am
berühmten alten Marktplatz einquartieren, und versuchen, den Pflichtumtausch in
feste und flüssige Nahrung umzusetzen.
Regnerisch beginnt der nächste
Tag, immerhin haben wir nun Hoffnung auf ausreichenden Wasserstand auf der
Blanice. 40 km westlich von Budweis irren wir durch das alte
Städtchen Prachatitz, endlich finden wir die Landstraße zur geplanten
Ausstiegstelle bei Zablati. Ein kräftiger Wildbach rauscht uns entgegen, der
Pegel zeigt 55 cm,laut DKV-Führer also ausreichender Wasserstand! Die
Anstrengungen des Vortages und die angekündigten Schwierigkeiten (WW IV bei 20
Promille Gefälle) verhelfen uns zu zwei freiwilligen Chauffeuren, und so setzen
wir kurz darauf zu viert bei der Blanice-Mühle ein. Der Pegel 300 m nach dem
Start zeigt 70 cm. Die Blanice entspringt nördlich des Moldau-Stausees in über
1200 m Höhe, die Wälder speichern den Schnee weit ins Frühjahr hinein. In
nördlicher Richtung zieht der Bach zur Otava und weiter zur Moldau. Unsere
Fahrtstrecke führt durch eine enge, tiefe Waldschlucht, die urwaldähnliche
Eindrücke hinterlässt. Auch der Bach hat viel zu bieten: Gefällstark und leicht
verblockt rauscht er um die Kurven, die Ruine Hus flitzt viel zu schnell vorbei,
wir müssen auf unseren Jungpaddler Husak Rudi aufpassen, dem es auch zu schnell
wird und der zweimal dem Wassergott opfert. Einige rasante Kombinationen
erreichen knapp den III. WW-Grad, sonst sinkt die Schwierigkeit nie unter WW II
auf der 12 km langen Strecke. Viel zu schnell sind wir am Ziel, alle sind von
dieser Perle des Böhmerwaldes begeistert.
Unsere Wagenlenker haben sich
inzwischen mit einer alten Bäuerin unterhalten. Für sie sind Paddler hier an der
Tagesordnung, deutsch hat sie aber schon lange nicht mehr gesprochen. Als Joe
ihr das Böhmerwaldlied vorsingt, ist sie ganz gerührt und bringt jedem eine
Schale Kaffee. Den riesigen Moldau-Stausee entlang reisen wir heimwärts, erst
nach zwei Stunden finden wir in Vyssi Brod (Hohenfurth) eine Gastwirtschaft, in
der wir unsere hungrigen Mäuler stopfen können. Den Pflichtumtausch aber bringt
man mit der größten Völlerei nicht an den Mann!
Der Grenzübergang bereitet
diesmal keine Probleme, zwei Stunden später kamen wir zu Hause an, um einige
Eindrücke und Erlebnisse reicher.
Wenn auch die Grenzübertrittsschikanen zur
Zeit wenig einladend wirken, so lohnt doch ein Besuch beim nördlichen Nachbarn,
sei es auch nur um der Erkenntnis willen, dass die Welt beim Eisernen Vorhang
nicht aufhört!
Kurzbeschreibung:
Maltsch: 24 km von Rychnov bis
Poresin, WW I
Blanice: 12 km von Blanice mlyn bis Zablati, WW II
Befahrungszeit: März bis April (wie Oberer Kamp, Waldaist, Rodl).
Bewertungsvergleich: Salza bis Fachwerk, Kamp ab Roiten WW II+
 |
 |
| Blanice, Titelbild mit Anton Mück |
Große Isper |
Empfehlenswerte Neuentdeckung: Die Große Isper
Beinahe wäre der Bach noch vor seiner Erstbefahrung verbaut worden, nur dem
Einsatz einer ökologisch orientierten Bürgerinitiative ist es zu verdanken, dass
mit folgendem Bericht eine neue lohnende Frühjahrsfahrt im Waldviertel empfohlen
werden kann!
Die Isper entspringt im Weinsberger Wald in etwa 1000 m Höhe und
zieht, wie die Mühlviertler Flüsse, gefällstark in südlicher Richtung zur Donau.
Die Steilzone im Oberlauf ist als Isperklamm bekannt, mit dem Kajak ist hier
aber noch nichts auszurichten. Erst 5 km weiter unten beginnt die Große Isper
kanusportlich interessant zu werden, schon mehrmals hatte ich mit einer
Befahrung geliebäugelt.
Am Ostersonntag, 4. April 1983, durchstreifte der KC
Gars das Waldviertel. Großer und Kleiner Kamp führten zu wenig Wasser, umso
überraschter waren wir, auf der Isper mehr als eine feuchte Kellerstiege
vorzufinden. Bei der Ortschaft Ysper setzten wir in den zunächst noch 5 m
breiten Bach ein. Nach einigen Mäandern und Wehranlagen beginnt einen Kilometer
unter Altenmarkt die überaus lohnende Steilzone. Etwa 5 km weit bietet die Große
Isper mit nahe 30 Promille Gefälle abwechslungsreiches Wildwasser, welches in
einigen verblockten Stufen an den Schwierigkeitsgrad IV herankommt. Die
glücklicherweise nicht ausgebaute Straße führt immer neben dem Bach entlang,
sodass auch die Begleiter etwas zu sehen haben (ein Straßenausbau würde den Bach
sicher zerstören). Allmählich sinkt das Gefälle,bald erreicht man die
Vereinigung mit der Kleinen Isper, welche die Isper auf 10-15 m Breite anwachsen
lässt. Von hier kann man noch gut 2 km auf schönem, leichtem Wildwasser
weiterfahren, der letzte Kilometer bis zur Donau kann wegen zweier
problematischer Wehranlagen nicht empfohlen werden. Bei der Brücke kurz unter
der Ausstiegstelle findet man den Pegel Isperdorf, er sollte zumindest 160 cm
zeigen. Diesen Wasserstand trifft man während der Schneeschmelze im Waldviertel,
im März oder April, an (Pegel Zwettl Bahnbrücke ab 190 cm), somit kann die Isper
noch vor den Wildwasserperlen Große Krems und Kleiner Kamp empfohlen werden!
Kurzbeschreibung Große Isper:
Empfohlene Fahrtstrecke: Von 1 km unter
Altenmarkt bis 1 km vor Isperdorf 12 km. Schwierigkeiten: II-III bei Pegel 160
cm Isperdorf, darüber bis -IV.
Aktuelle Kurzinformationen mit Fotos und Filmen findet ihr immer häufiger
auf unserer Facebookseite: https://www.facebook.com/Kajak.Club.Gars
!