Kajakerlebnisse mit Walter Mück

Flüsse voller Leben!

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Die nachstehenden Berichte erschienen in der Zeitschrift "Österreichs Kanusport" Oktober, November, Dezember 1984

Zrmanja-Krupa -  Abenteuer im jugoslawischen Karst

Rund um die berühmten Plitvicer Wasserfälle gibt es einige interessante Flüsse, allgemein bekannt sind Una und Korana. Nur wenige Gewässer erreichen oberirdisch die Adria, dazu gehört die Zrmanja, die zum Teil im DKV-Auslandsführer Band 1b, 1981, schon beschrieben ist. Prof. Hans Matz, Horst Weber und Walter Mück haben im Juni 1984 die Gegend näher erkundet. Hohe Wasserstände auf der Una hatten uns auf dem Weg nach Griechenland eine herrliche Fahrt auf deren rechten Quellfluss Unac ermöglicht (Pegel 30 m nach der Unac-Brücke in Martinbrod links 80 cm, ca. 30 m³/s). Von dort führt eine schlechte Schotterstraße zum unbekannten Oberlauf der Zrmanja. Abseits der (durchwegs schlechten) Straßen zieht der klare Karstfluss durch einsame, kleine Engtäler.
Wir starteten zur Befahrung einer 22 km langen Strecke von Palanka bis Ervenik. 6 Promille sind nicht viel, 130 Höhenmeter können im Karst aber unangenehm werden. Umso größer die Überraschung, einen abwechslungsreichen, reizvollen Bach ohne große Probleme (WW II, ein paar Wehranlagen) vorzufinden, der bei gutem Wasserstand (Frühjahr) jedem empfohlen werden kann (Pegel Palanka 40 cm, Ervenik 80 cm).
Von Ervenik bis Zegar, von wo der Fluss bereits beschrieben ist, bleiben 11 km interessante Schluchtstrecke unerforscht, am Schluchtende wurde ein höherer Absturz aus der Ferne gesichtet. Ein blauer Strich in der k.u.k. Monarchie-Karte 1.200.000 sowie eine frisch asphaltierte Straße waren Anlass zur Entdeckung der KRUPA, ein rechter Zubringer der Zrmanja, der am Fuße des Velebit-Gebirges aus mächtigen Karstquellen entspringt. Bereits in der Ortschaft Krupa, nahe an der Quelle, konnte die Befahrung begonnen werden. Einige hundert Meter mussten wir mit Gesträuch in der Strömung kämpfen, einen plötzlich auftauchenden 2 m hohen Absturz hätten wir beinahe mit gesenktem Kopf und längs liegendem Paddel überwunden. Ein Zufluss von rechts ließ die Wasserführung auf etwa 5-10 m3/s ansteigen. Bereits vom Auto aus hatten wir einen hohen Wasserfall gesichtet, nun standen wir vor der 5m hohen Karststufe. Nach eingehender Untersuchung des Unterwassers wagte einer nach dem anderen den großen Sprung. Beim Kloster Krupa (schöner Zeitplatz) gabelt sich der Fluss in drei Arme, welche aus verschiedenen guten Gründen alle unfahrbar sind. Wir zogen die Boote etwa 500 m über die Wiese vor, wo der Fluss wiedervereint in ein enges Tal eintritt. 4 km weit paddelten wir auf stehendem Wasser, uns war klar, dass wir so die 75 m tiefer fließende Zrmanja nicht erreichen konnten. Einem rechts mündenden Seitenbach, von uns Golubica genannt, folgten wir ein Stück aufwärts und entdeckten den Märchensee, der zur Erkundung des einsamen Seitentales einladen würde. Kurz danach mussten wir den ersten Wasserfall umtragen. Vorsichtig näherten wir uns der nächsten Abbruchkante, welche uns mit einer Folge kleiner Stufen überraschte, zum Abschluss aber mit einem 3 m Sprung aufwartete. Nun hatte es unser Fluss eilig an Höhe zu verlieren. Wasserfälle von 10-20 m Hohe zwangen uns zum Schultern der Boote. Die grandiosen Landschaftsbilder boten eine großzügige Entschädigung für diese Mühen. Nach einem sportlichen 3 m-Sprung erreichten wir nach 10 km auf der Krupa die Zrmanja noch oberhalb des schon bekannten Wasserfalles. Riskant war das Umtragen über eine steile Geröllhalde, Hans wählte daher für sein Boot den kürzesten Weg gut 20 m in die Tiefe, wo es zu unserer Überraschung friedlich auf dem Wasser treibend auf sein Herrchen wartete. Einige leichte Wildwasserpassagen (WW II) lockerten die Aneinanderreihung von Seen und Wasserfällen auf, dann folgte wieder ein Sprung von 4 m Höhe. Das großartige Finale lieferte ein 7 m hoher Absturz, den wir nach langem Zögern auch noch hinunterschossen. Vor leichtfertiger Nachahmung dieser Flugerlebnisse wird jedoch gewarnt! 8 km vor Obrovac entsteht ein kleines Kraftwerk, eine neue Zufahrtsstraße bietet eine günstige Ausstiegsmöglichkeit. Wir mussten noch bis Obrovac weiterpaddeln; eine schöne Schluchtstrecke, auf der man allerdings nach dem letzten Naturwehr (2 m, links fahrbar) Motorbooten begegnet, die vom 16 km entfernten Meer aufwärts fahren können.
Resultat: Ein Pflichtfluss für Paddler, die nicht im Eiskanal ihr Ideal sehen, sondern für Naturerlebnisse und Landschaftseindrücke offen sind!

Krupa Krupa Zrmanja

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