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Rumänien 2019

Acht Paddler, alle 60 plus, sprachen sich heuer wieder für einen Urlaub in Osteuropa aus, die vielen eindrucksvollen Erlebnisse der Jahre 2003, 2011 und 2015 ließen die Entscheidung für Rumänien fallen. Ich hatte ja noch eine Rechnung mit den Crisul und Ariesul Flüssen offen, die mir immer entwischt waren. Der einzige mir bekannte Pegel am Crisul Repede in Ciucea war Ende April bereits auf minus 7 cm, das sind 4 m3/s gesunken, wieder ein Flop? Erst eine Anfrage bei rumänischen Paddlern (http://outdoorexperience.ro/en/) klärte die Situation: Der Pegel liegt in einer Ausleitungsstrecke, das reichliche Wasser kommt unterhalb aus dem Kraftwerk Bulz, der Crisul Repede und auch der Ariesul sind fast ganzjährig befahrbare und sehr beliebte Flüsse, die leider im DKV Führer keine entsprechende Beachtung fanden! Dank zweier Links zur rumänischen Wasserstandsseite hatte ich jetzt tagesaktuelle Informationen (Muresul und Crisul). In der Nacht vor der Abreise am 1. Mai regnete es so heftig, dass alle Planungen hinfällig erschienen.

 
Untere Lapus Schlucht (Dietmar, Rudi) Lapus Kernstelle  Im Wassertal (Poldi, Rudi)

Problemlos erreichten wir am Abend kurz vor Baia Mare unser vertrautes Hotel Casa Corodan in Ilba, wo wir als alte Bekannte begrüßt wurden. Am Morgen fuhren wir zum Lapus, wo wir uns die untere Schlucht ab der Brücke nach Codru Butesi vornahmen. Der Fluss war über Nacht einen Meter gestiegen, nun wieder auf 140 cm, rund 40 m3/s gefallen! Auf dem 50 m breiten Zwischenstück kein Problem, in den engen Kernstellen vor der Cavnicbach Mündung aber ordentlich verwirbelt (WW II-III). Bei Traumwetter erreichten wir nach 12 km in nur 1 1/2 Stunden den Ausstieg in Remecioara. Uns blieb genug Zeit für die mühsame Fahrt nach Viseu de Sus, entlang der sportlichen Mara, die zu wenig Wasser führte und der Iza, die trotz Hochwasser keine lohnenden Abschnitte zeigte.
Die Quartiersuche in Viseu de Sus gestaltete sich mühsam, da rund um den 1. Mai Ferien waren und der Ort auch wegen der beliebten "Mocanita" Eisenbahn sehr frequentiert war. Wir hatten glücklicherweise schon zwei Wochen voraus für uns und die acht Kajaks gebucht, und bekamen am nächsten Tag einen sicheren Platz im vierten Dampfzug des Tages. Während in den Alpen ein später Winter Einzug hielt, konnten wir mit der Neoprenbekleidung auch noch die Zugfahrt genießen, bevor wir in Paltin die 19 km lange, wunderschöne Strecke der Vaser bei gutem Wasser in Angriff nahmen (rund 25 m3/s, Pegel Bistra an der Viseu 110 cm, 73 m3/s). Einige Gefällbremsen sind nur mehr mit Vorsicht zu befahren; Todesfall in Paltin! Laut Zugbegleiter kommen nur etwa drei Paddlergruppen pro Jahr hier her, ich hatte das Glück, dank unserer Fangemeinde bereits das dritte Mal dieses Kleinod zu besuchen! Am Abend besuchten wir den freundlichen Wirt der Pension Nagy in der "Zipserei", der uns viel über die Geschichte der deutschen Siedler erzählte und uns mit Unmengen von Grillfleisch überhäufte.
Der nächste Tag erforderte eine lange Autofahrt nach Süden über Cluj nach Turda, wo der Ariesul aus seinem Engtal heraustritt. Wir folgten dem Fluss aufwärts bis Salciua, wo wir in dieser einsamen Landschaft ein schönes Hotel etwas abseits nahe einer Riesenhöhle fanden (Hotel Sub Piatra, Huda lui Papara). Das Trascau Gebirge ist kaum 1400 m hoch, aber ein hochinteressanter Karststock mit Höhlen, Klammen und Wasserfällen. Am 5. Mai wählten wir die landschaftlich schönste Strecke von Salciua de Jos bis Lunca, nur 9 km, aber tief eingeschnitten in den mächtigen Gebirgsstock, WW I mit wenigen schönen Schwällen bei 32 m3/s Pegel Baia de Aries. Nachmittgs befuhren der unermüdliche Rest der Mannschaft noch die links einmündene Iara 6 km bis zur Mündung, ein schneller, schmaler Wildbach WW II, bei 6 m3/s Pegel Iara.

Ariesul bei Salciua Ariesul Karstquelle (Christl, Winnie) Start zum Ariesul Mare unter Scarisoara (Ricky, Winnie, Christl)

Die Reise führte uns flussaufwärts, in Baia de Aries konnten wir auftanken und Geld abheben, sonst hat die verlassene Bergwerksstadt wenig zu bieten. In Campeni mündet der schmutzige Abrud-Bach, oberhalb endlich klares Gebirgswasser! Ein Stausee am Zusammenfluss von Aries Mare und Mic (Großer/Kleiner) staut die Quellflüsse 3 km weit, an der Stauwurzel fanden wir ein schönes Hotel in idealer Lage, hier wollen wir am nächsten Tag ausbooten.Wir booteten am Aries Mare 19 km oberhalb an der Brücke unter Scarisoara ein, begeistert von der schönen Schluchtstrecke. Der Durchfluss am Pegel Arieseni betrug 7 m3/s, ideal für die Strecke, die der Schwarza im Höllental ähnelt und am Schluchtende vor Albac einen wuchtigen Katarakt (WW III) aufweist. Danach paddelten wir auf offenem, leichten Wildwasser bis zum Hotel in Vadu Motilor. Mittlerweile wurden wir von der Kältewelle eingeholt, der nächste Tag begann mit fünf Grad. Dennoch fanden sich genug Begeisterte für den Aries Mic, den wir 8 km bis zur Brücke vor dem Stausee paddelten, ein leichter Wildbach mit einigen Schrägrippen, WW I-II.
Weiter ging die Tour westwärts über den 1140 m hohen Vartop-Pass, auf dem der Regen in Schneefall überging. Der höchste Berg des Bihor / Apuseni Gebirges mit 1849 m versorgt hier die Einzugsgebiete von Ariesul und Crisul mit reichlich Wasser.

Ariesul Mare "Höllental" Schlusskatarakt vor Albac (Rudi) Crisul Pietros

In endlosen Serpentinen ging es abwärts nach Stei am Crisul Negru, dessen rechten Nebenfluss, den Crisul Pietros (der Felsige) wir erkunden wollten. Die Vorgeschichte dieses hierzulande unbekannten Wildbaches ist lang, bei der Planung unserer Albanienreise 2006 stieß ich auf die Berichte ungarischer Paddler, die auch über den Crisul Repede aufregendes Material lieferten, übernommen auch auf http://rivers.raft.cz/rumunsko/. Die Unsicherheiten über den Wasserstand verhinderten immer wieder unseren Besuch. Nun standen wir in Pietroasa vor einem reißenden Wildbach, angeschwollen vom Regen auf über 14 m3/s, davon allerdings die Hälfte vom kurz oberhalb mündenden Aleu. Zu unserem großen Erstaunen fanden wir an den kritischen Stellen große Orientierungstafeln für Paddler, wir folgten der 6 km langen Strecke aufwärts. Nach einer Nacht im Hotel Apuseni, der einzigen Unterkunft im weiten Umkreis, erwachten wir bei frostigen Temperaturen. An der Vereinigung der Quellbäche Boga und Galbena booteten unsere begeisterten Paddler ein, der Wasserstand war etwas gesunken, mit rund 7 m3/s am Einstieg gerade richtig für die Erkundung (Pietroasa 12 m3/s). Der Bach schießt mit kräftigem Gefällen über zahlreiche Grundgesteinsrippen, einige Stellen bis WW IV. Tadellos meisterten die Gefährten alle Stellen, eine Wehranlage und der folgende Baumverhau musste umtragen werden. Am Ortsanfang von Pietroasa wurde vor einer Problemstelle ausgebootet, Hannes spricht euphorisch vom "schönsten Fluss Rumäniens".
Unser letztes Ziel, den Crisul Repede, wollten wir über eine besondere Passstraße in das Iad-Tal erreichen. Im Bergdorf Stana de Vale angekommen, sahen wir ein Bild der Verwüstung, ein Orkan hatte tausende Bäume gefällt, die Sporthotels schwer beschädigt, und, vor allem, die Straße zum Iad gesperrt! Doch genau hier kam uns ein Geländewagen mit Forstbeamten entgegen, die uns erklären, es wäre schon "praktikabel, aber diffikult". So wagten wir die Fahrt durch die Schlucht des obersten Iad, auf Resten von Asphalt, zwischen riesigen Baumstämmen, bis wir nach Stunden die Cascada Iadolina erreichten, ein imposanter Wasserfall. Etwas unterhalb hatten tschechische Paddler in alten Zeiten bereits eingebootet, doch bald versperrt die Staumauer des Lac Lesu den Flusslauf. Dieser See ist jedoch vollkommen leer, offensichtlich nie in Funktion. Unterhalb von Remeti beschloßen einige unserer Gruppe, das 15 km lange Schlussstück des Iad zu befahren, ein flotter Bach mit drei gefährlichen Wehranlagen, WW II. In Bulz, kurz vor der Mündung in den Criul Repede, befindet sich ein gewaltiger Kraftwerksauslass , etwa 30 m3/s kommen vermutlich aus den Stauseen des Dragan, Iad oder auch aus anderen Ableitungen. Die Abgabe wechselt täglich, wir hatten jedenfalls am Folgetag mehr als genug Wasser am Crisul Repede.

Hannes führt am Crisul Pietros Crisul Pietros, der Felsige (Ricky) Crisul Repede, die Ardeche Rumäniens (Ricky, Rudi)

Bei sehr kühlem Wetter und gut 50 m3/s (Pegel Ciucea am Oberlauf 14 m3/s) starteten wir in Bratca auf dem breiten Strom. Der Crisul Repede, ungarisch Körös sebes, der schnelle Kreisch, durchbricht in zwei Felsschluchten die letzten Gebirgsausläufer vor der ungarischen Tiefebene. Mit den steilen Kalkwänden, Höhlen und Wasserfällen kann man ihn als "Ardeche" Rumäniens bezeichnen. Trotz der enormen Wasserführung kamen wir ohne Probleme (WW I-II) in Vadu Crisului an, 14 km in nur 75 Minuten! Nach einem kräftigen Mittagsmahl vor Oradea verließen wir Rumänien, gegen 22 Uhr waren alle wieder gut zu Hause angelangt!

Aktuelle Kurzinformationen mit Fotos und Filmen findet ihr immer häufiger auf unserer Facebookseite: https://www.facebook.com/Kajak.Club.Gars !

 

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